Für ein besonderes Gesprächskonzert trafen sich am 10. September die Musik- und Kunstkurse des 11. Jahrgangs auf der Bühne der Aula. Zu Gast war die Cellistin Katja Zakotnik, die nicht nur hervorragend Cello spielt, sondern ihr Instrument auch zum Ausgangspunkt für einen unterhaltsamen musikgeschichtlichen Crashkurs machte.
Zunächst ging es um das Cello selbst: Wie funktioniert das Instrument, wie entsteht sein Klang, was kann es, was andere Instrumente nicht können? Von dort führte der Weg schnell mitten hinein in die Musikgeschichte und zu einer Frage, die dort erstaunlich lange erstaunlich schlecht beantwortet wurde: Wo sind eigentlich die Komponistinnen?
Zu hören waren Werke aus mehreren Jahrhunderten, darunter Musik von Élisabeth Jacquet de La Guerre, Maria Theresia Paradis und Marguerite Monnot. Dazu kamen drei sehr unterschiedliche zeitgenössische Stimmen: die irische Komponistin Ailbhe McDonagh mit ihrem Tango, Reena Esmail mit dem meditativen, von Hindustani-Raag inspirierten Sandhiprakash und Elaine Fine mit dem Schleiertanz aus ihrer Sephardischen Suite: eine kleine Reise durch Barock, Romantik, Moderne und Gegenwart.

Mindestens ebenso wichtig wie die Musik war die Frage nach den Bedingungen, unter denen sie entstand. Warum kennen wir zahllose Komponisten, aber deutlich weniger Komponistinnen? Katja Zakotnik zeigte sehr anschaulich, dass dies weniger mit fehlendem Talent als mit fehlenden Möglichkeiten zu tun hatte: mit eingeschränktem Zugang zu Ausbildung, Institutionen, Öffentlichkeit und professionellen Netzwerken. Musikgeschichte erweist sich dann schnell auch als Geschichte von patriarchalen Strukturen, Ausschlüssen und Kanonbildung.
Katja Zakotnik spielte, erzählte, fragte, erklärte und bezog die Schüler:innen immer wieder ein. So wurde aus zwei Schulstunden ein ausgesprochen lebendiger Streifzug durch Musikgeschichte, Instrumentenkunde und Kulturgeschichte. Am Schluss konnten wir selbst ausprobieren, wie Cellospielen geht.
Viel Cello, viel Musik, und viele Namen, die viel größer sein sollten.
Wir danken unserem Förderverein sehr herzlich für die großzügige Unterstützung, die dieses besondere Konzert ermöglicht hat.
(Stefan Horlitz)
