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Jan, Lisa, Isi, Ho, Kru
Jan, Lisa, Isi, Ho, Kru

50 Jahre amnesty international in Hameln: Ein halbes Jahrhundert stabiler Einsatz für Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und eine lebendige Zivilgesellschaft. 
Bei radio aktiv gab es deshalb das volle Programm: mit Dr. Julia Duchrow, der Generalsekretärin von amnesty international Deutschland, Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese, Vertreter verschiedener zivilgesellschaftlicher Einrichtungen und als musikalischem Höhepunkt einem Teil unserer Schulband (der Rest befand sich auf Klassenfahrt). Auch Menschenrechte müssen gelegentlich mit reduzierter Besetzung verteidigt werden.
Nach ihrem fulminanten Debüt im Theater Hameln absolvierte die Band damit ihr erstes Auswärtsspiel. Isi  (Gesang), Lisa  (Gesang, Ukulele) und Jan (Percussion), unterstützt von Frau Krug und Herrn Horlitz, lieferten zündende Versionen von Tanita Tikarams „Twist in My Sobriety“, dem alten Partisanen-Kracher „Bella Ciao“ und Peter Gabriels „Biko“.

Letzteres war für diesen Abend beinahe erschreckend passend. Gabriel schrieb den Song 1980 über Steve Biko, einen der bedeutendsten Vertreter des südafrikanischen Black Consciousness Movement. Biko wurde 1977 vom Apartheidregime verhaftet, im Polizeigewahrsam schwer misshandelt und starb an seinen Verletzungen. Gabriel beendet das Stück mit einem Satz, der auch das Prinzip von amnesty international genau beschreibt: „And the eyes of the world are watching now.“ Denn autoritäre Macht arbeitet besonders gern dort, wo niemand hinsieht. Öffentlichkeit, Dokumentation und die Weigerung, Menschen einfach verschwinden zu lassen, können deshalb selbst politische Mittel sein.
Auch Oberbürgermeister Griese griff in seinem Beitrag direkt den zuvor gespielten Song von Tanita Tikaram auf. Tikaram schrieb „Twist in My Sobriety“ noch als Teenager; heute spricht sie offen über ihre queere Identität. Dass ausgerechnet dieser eigentümlich melancholische Song einer sehr jungen Künstlerin an diesem Abend auftauchte, passte durchaus: Gesellschaftliche Freiheit zeigt sich schließlich auch darin, ob Menschen leben können, ohne sich das vorher amtlich genehmigen lassen zu müssen. 
Weniger leicht war das, was Dr. Julia Duchrow, Oberbürgermeister Griese und die Vertreter von Queerem Netzwerk, Frauenhaus Hameln, AWO und der Gedenkstätte Bückeberg berichteten. Ihre Beiträge zeichneten ein ziemlich düsteres Bild davon, wie schnell gesellschaftliche Errungenschaften, die über Jahrzehnte erkämpft wurden, wieder unter Druck geraten können. Zivilgesellschaftliches Engagement wird nicht nur offen bekämpft. Es lässt sich auch juristisch erschweren, finanziell austrocknen, medial delegitimieren oder so lange als verdächtige „politische Tätigkeit“ markieren, bis irgendwann schon das Eintreten für Minderheitenrechte oder historische Erinnerung als anrüchiges Spezialinteresse erscheint. Demokratische Errungenschaften verschwinden schließlich selten über Nacht. Man kann sie auch Stück für Stück abschleifen. Griese berichtete von einem zunehmend hasserfüllten Ton, der ihm vor allem online entgegenschlägt.
Für Schulen ist das keine abstrakte Diskussion. Wir sind dem Grundgesetz verpflichtet, und damit nicht irgendeiner vagen Idee davon, dass schon irgendwie alle miteinander auskommen werden, sondern ganz konkret der Menschenwürde, den Grundrechten und einer demokratischen Gesellschaft.
Unser kleiner Beitrag an diesem Abend bestand in Musik. „Bella Ciao“ und „Biko“ handeln genau davon, was geschieht, wenn Menschen sich weigern, Unrecht einfach als neue Normalität hinzunehmen. Anschließend gab es viel Lob für unsere Musiker:innen, viele Gespräche, viele Getränke, kleidsame Beanies und erfreulich viele Schnittchen. Vielen Dank für die Einladung.
(Stefan Horlitz)

 

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